Aktionsplan zur Luftreinhaltung für die Stadt Stuttgart: Aufbringen des PM10-Bindesmittels Calcium-Magnesium-Acetat (CMA) im Bereich des Neckartors Auswertung der Messergebnisse der ersten Testphase mittlerweile abgeschlossen - Ergebnisse zeigen positive Tendenzen auf - Weiterer Test erforderlich
Das Regierungspräsidium Stuttgart hat den Aktionsplan zur Luftreinhaltung für die Landeshauptstadt Stuttgart im Februar diesen Jahres fortgeschrieben. Ziel der Fortschreibung ist, die Luftqualität in Stuttgart schnell und wirksam zu verbessern. Neben dem ab 1. März 2010 in Kraft getretenen LKW-Durchfahrtsverbot und den beginnend ab dem 1. Juli 2010 greifenden Fahrverboten innerhalb der Umweltzone ist als weitere Maßnahme des Plans das Aufbringen des PM10-Bindemittels Calcium-Magnesium-Acetat (CMA) im Winterhalbjahr (01. Oktober bis 31. März) auf der B 14 im Bereich des Neckartors festgesetzt worden. Mittlerweile ist die Auswertung der siebenwöchigen Testphase abgeschlossen, die heute vorgestellten Ergebnisse zeigen zwar positive Tendenzen auf, ein weiterer optimierter Testeinsatz wird jedoch für notwendig gehalten.
In den Vorjahren durchgeführte Praxisuntersuchungen in Stockholm, Klagenfurt und Halle hatten gezeigt, das CMA ein umweltfreundliches Taumittel im Winterdienst und aufgrund seiner molekularen Struktur zum Binden von Feinstaub geeignet ist. Der Einsatz von CMA in diesen Kommunen hat gezeigt, dass die Wiederaufwirbelung von Feinstaub reduziert wurde, sofern CMA in Wasser gelöst alle zwei Tage großflächig auf trockener Fahrbahn aufgebracht wird. Da die Wirkung von CMA von vielen Faktoren wie beispielsweise von lokalklimatischen Verhältnissen, vom allgemeinen Straßenzustand, von der lokalen verkehrlichen Situation und vom Anteil von Abriebs- und Aufwirbelungsprozessen des Straßenverkehrs an der gesamten PM10-Immissionsbelastung abhängt, konnten die Untersuchungsergebnisse nicht unmittelbar auf Stuttgart übertragen werden. Aus diesem Grund sollte die Wirkung von CMA zunächst in einem Versuch vom 12. Januar bis zum 28. Februar 2010 in Stuttgart auf dem rund 1 km langen Abschnitt der B14 zwischen dem Neckartor und der Heinrich-Baumann-Straße vor dem morgendlichen Berufsverkehr getestet werden.
Der Test wurde messtechnisch von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) begleitet. Dies erfolgte durch einen Abgleich der Messwerte von PM10 und Staubinhaltsstoffen am Spotmesspunkt Neckartor mit Messergebnissen an weiteren Messstationen in Stuttgart. Die LUBW hat mittlerweile die Auswertung der Messergebnisse abgeschlossen und die Untersuchungsergebnisse heute dem Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr Baden-Württemberg (UVM), dem Regierungspräsidium Stuttgart und der Landeshauptstadt Stuttgart vorgestellt.
Die Projektphase war durch extreme winterliche Verhältnisse mit erheblichen Niederschlägen und infolgedessen durch den Einsatz von herkömmlichem Streusalz geprägt. Die Ausbringung von CMA auf eine trockene Fahrbahn als wesentliche Voraussetzung für eine zu erwartende Minderung der Schwebstaubkonzentration war deshalb nur an wenigen Tagen erfüllt. Die Auswertung der Messergebnisse deutet zwar auf Minderungseffekte bei der Feinstaubkonzentration hin, die jedoch durch den hohen Streusalzeinsatz zusätzlich zur CMA-Ausbringung um ein Vielfaches überdeckt wird. Der Versuch hat nicht unter den Bedingungen stattgefunden, die eine belastbare Bewertung der Wirkung von CMA ermöglichen. Deshalb hält es das Regierungspräsidium Stuttgart auf Empfehlung der LUBW für erforderlich, den Versuch über einen längeren Zeitraum unter definierten Bedingungen zu wiederholen.

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